Donnerstag, 27. Oktober 2016


Christian Kracht - Die Toten - Verlag Kipenheuer & Witsch






Ja – der Roman gefällt … wegen seiner kühlen Ästhetik und sprachlichen Finesse. Das Vorbild Nabokov spürt man, es gibt auch deutliche Reminiszenzen an den Meister.

Naja – vor lauter Formulierungsarbeit misslingt  die eine oder andere Metapher,  vor allem die Figuren aus der 2. Reihe bleiben blass und leblos. Die Protagonisten Nägeli und Amaksu, in deren Mischung man den Autor vermuten kann, sind gut gezeichnet.  So räsoniert der Regisseur Nägeli über die Schweizer Kulturschaffenden, deren beschränkte, kleinliche Attitüden ihn oft aus seinem Heimatland forttreiben, so dass er es verlässt, so oft es nur geht. Und über eine neue Arbeit: „… nun aber muss er tatsächlich etwas Pathetisches herstellen, einen Film drehen, der erkennbar artifiziell ist vom Publikum als manieriert …. empfunden wird“  - besser kann man auch Krachts Roman(motivation?) nicht beschreiben.

Naja – der historische Hintergrund versinkt in wohlbekannten Attributen, Klischees und ollen Kamellen (wie z.B. das Ondit von Filmschauspielerinnen, die sich Backenzähne ziehen lassen um „zeitloser“ zu wirken und regieanweisungsartig formulierte Slapstick-Szenen mit Charles Chaplin) - das Romangeschehen in so einer angestaubten Kulisse kann nicht wirklich fesseln, ein Hineinziehen des Lesers gelingt deshalb nicht – der Roman bleibt ohne Nachhall.

Nein – ich werde keinen weiteren Roman des Autors lesen


1 Kommentar:

  1. danke für die hilfreiche, nachvollziehbare (Nicht-)Kaufempfehlung!
    ...nur bei einem Autor wie Kracht einen ultimativen Lektüre-Entzug auszurufen, halte ich doch für arg kühn.....

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