Donnerstag, 21. April 2016




Willa Cather - Mein ärgster Feind - btb Verlag






Willa Cather ist in Deutschland kaum bekannt - dass sie nicht weiter ins Vergessen rutscht ist den Randomhouse Verlagen btb und Manesse zu danken.  In Amerika  aber gilt sie  als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des frühen 20. Jahrhunderts. Viele von Cathers Romanen spielen im ländlichen Amerika und thematisieren das harte Leben der europäischen Einwanderer.  „Mein ärgster Feind“  hat jedoch ein anderes Sujet, es ist die Entwicklungsgeschichte eines jungen Mädchens zur Ehefrau. 

Erzählt wird der Roman aus der Sicht der jungen Nellie. Im Hause ihrer Tante lernt sie Myra Driscoll kennen und ist sofort fasziniert von deren starker  Persönlichkeit und ihrer Geschichte: Blutjung  verlässt sie aus Liebe das ländliche Illinois und den reichen Onkel, sie verzichtet auf ihr Erbe, heiratet den geliebten Mann und geht mit ihm nach New York. Welch junges Mädchen wäre von so einer romantischen Liebe nicht entzückt? Jahrzehnte später trifft Nellie auf das nun ältere Ehepaar. Was ist aus ihnen, was aus ihrer Lebe geworden? Sind sie glücklich, zufrieden, froh? Nellie geht davon aus, doch was sie vorfindet ist desillusionierend.

Willa Cather erzählt eindringlich von der zerstörerischen Kraft der Zeit, der Liebe, Gesundheit, Vermögen zum Opfer fallen. Sie zeigt die Missstimmungen des Alters, das Hadern um den einen Entschluss, der jetzt so tragisch falsch erscheint. Doch ist wirklich nur der Ehemann gemeint, wenn Myra von ihrem „ärgsten Feind“ spricht? Geht es nicht vielmehr um das Erkennen der Vergeblichkeit des Seins  und dass jeder einzelne – für den gewählten Lebensweg verantwortlich – sich in dieser bitteren Aufrechnung selbst zum schlimmsten Feind wird?

Dieser gut geschriebene kleine Roman ist bestens geeignet, Willa Cather als kraftvoll erzählende Autorin neu zu entdecken.

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